Chorgesang der ersten Güte
Deutsch-Polnische Chorakademie zu Gast in St. Nikolai

Höxter. Selten zuvor dürfte ein solch stimmgewaltiger Chor das neoromanische Kirchenschiff von St. Nikolai in Höxter mit seinem jubilierenden Gesang ausgefüllt haben. Was hier dem versunken lauschenden Publikum geboten wurde, war Chorgesang der allerersten Güte.

Dabei waren – in der reichen Fülle des Programms – fast vergessenen Werke polnisch geistlicher Chormusik zu hören wie das „Benedikta Filia“ des unvergessenen Julius Luciuk und das „Gloria“ eines Marek Jasinski, die in ihrer Aussagekraft und ihrer Gefühlstiefe unerreicht sind. Darüber hinaus verblüffte der stimmige Chor zu Anfang mit wundervoll in Halbtönen ausgearbeiteten und von Taktwidrigkeiten strotzenden Crescendis und interludisch eingefügten Clustergebilden des Songs „Now, Shout!“ von Gerald Kemner.

Besonders beeindruckend vorgetragen wurde der barocke Weihnachts-Hymnus „Jesu Redemptor omnium“ des Krakauer Domkomponisten Grzegorz Gorczycki. Geheimnisvoll, abschnittsweise wie aus einer anderen Welt, kündigt der Komponist hier die Herrschaft des Herrn an.

Aber zuvor erreichte der Konzertabend seinen Höhepunkt mit der Sequenz zum Allerseelentag „Lacrimosa dies illa“ von Mindaugas Urbaitis. Für das Gelingen dieser Komposition bot hier der Sopran im „Cantus firmus“ den beeindruckenden Rückhalt. Bis ins Knochenmark der Zuhörerschaft gingen dann abschließend Takte dieser Sequenz aus Wolfgang Amadeus Mozarts Requiem (KV 620), explodierend vom Tuttichor vorgetragen, ein erstklassiges Zeugnis langjähriger Arbeit der Deutsch-Polnischen Chorakademie mit deren Dirigenten und dessen charismatischen Engagement.

Nach 80 Minuten wurde das kurzweilige Chorkonzert mit mehreren Zugaben abgerundet. Hier durfte das Publikum so richtig in Harmonien schwelgen. Um es abschließend mit dem unvergesslichen Dirigenten Joseph Kleibert auszudrücken: „Heute war der liebe Gott im Saal.“

Erst als das letzte Chormitglied die Kirche verließ, verstummte der überaus verdiente Beifall.

(c) Heinz Trompeter
„Neue Westfälische“, 2./3.7.2005