{"id":636,"date":"2010-07-04T03:08:28","date_gmt":"2010-07-04T03:08:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.interrapax.org\/?page_id=636"},"modified":"2018-11-29T22:06:47","modified_gmt":"2018-11-29T22:06:47","slug":"in-terra-pax-zu-besuch-in-stuttgart","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.interrapax.org\/de\/in-terra-pax-zu-besuch-in-stuttgart\/","title":{"rendered":"in terra pax zu Besuch in Stuttgart"},"content":{"rendered":"<p>Samstag Abend nach einem WM-Halbfinale. Wir sitzen an der Uni und warten.<\/p>\n<p><strong>19:00 Uhr<\/strong> Jetzt soll es also gleich ernst werden, alles ist vorbereitet, Gastgeber gefunden, Essen und Getr\u00e4nke stehen bereit. Eine letzte SMS vom polnischen Reisebus h\u00f6rte sich verhalten optimistisch an. Sie sind relativ gut vorangekommen, es k\u00f6nnte also klappen mit dem Zeitplan.<br \/>\n<strong>19:30 Uhr<\/strong> Eine neue SMS, Probleme mit dem Bus, aus der Traum von der perfekten Planung.<br \/>\n<strong>20:30 Uhr<\/strong> Die ersten Gastgeber kommen bereits, wir bereiten sie schonend auf l\u00e4ngeres Warten vor.<br \/>\n<strong>21:00 Uhr<\/strong> So langsam treffen auch alle weiteren Gastgeber ein, auf unsere Ank\u00fcndigung gehen sie teilweise gleich wieder ins Mezzogiorno zum Fussball gucken.<br \/>\n<strong>21:30 Uhr<\/strong> Immer noch keiner da, aber jetzt sind sie wirklich nicht mehr weit, nur langsam mit 40-50 km\/h auf der Autobahn. Wir sind bereit, das Wasser kocht.<br \/>\n<strong>22:00 Uhr<\/strong> Endlich, ein Bus \u00fcberm\u00fcdeter polnischer Reisender heuchelt Wiedersehensfreude, will aber eigentlich nur noch heim und schlafen.<br \/>\n<strong>22:15 Uhr<\/strong> Das Essen gibt noch ein paar R\u00e4tsel auf, sind das Pierogi? Nein, wir nennen das Maultaschen und nehmt doch auch Kartoffelsalat dazu.<br \/>\n<strong>23:00 Uhr<\/strong> Noch ein wenig hin und her, nat\u00fcrlich gibt es 1-2 \u2039berraschungsg\u00e4ste, aber alles in allem hat die Verteilung gut geklappt.<br \/>\n<strong>23:15 Uhr<\/strong> Die letzten Gastgeber treffen ein und d\u00fcrfen gleich noch beim Aufr\u00e4umen helfen &#8211; wer zu sp\u00e4t kommt, den bestraft das Leben.<br \/>\n<strong>23:30 Uhr<\/strong> Der letzte macht&#8217;s Licht aus, aber vorher noch den Abwasch, am Ende reicht es f\u00fcr den vorletzten Bus nach Haus &#8211; immerhin.<\/p>\n<p>Jetzt wollen eigentlich auch wir nur noch schlafen, aber \u00fcber Stuttgart bricht ein H\u00f6llengewitter rein. Zumindest einer unserer G\u00e4ste ist begeistert, der Ausblick von unserer Wohnung scheint f\u00fcr entgangenen Schlaf zu entsch\u00e4digen &#8211; Blitze und Donner zerreissen die Nacht und es h\u00f6rt nicht auf zu sch\u00fctten.<\/p>\n<p>Auch am n\u00e4chsten Morgen nicht, und nach einer viel zu kurzen Nacht treffen wir uns mit unsern zwangsverpflichteten G\u00e4sten und einigen hartgesottenen Hilfsbereiten zur Lunchpaketmanufaktur an der Uni. Die Fertigungsstra\ufb02e l\u00e4uft wie ein Uhrwerk und p\u00fcnktlich starten wir zur geplanten Stadtf\u00fchrung. <\/p>\n<p>Haben wir so viele Regenschirme? Nein, aber mal wieder Gl\u00fcck, gerade als wir losgehen, h\u00f6rt der Regen auf und es kommt sogar ein wenig Sonne raus. F\u00fcr mich sehr gl\u00fcckliche Arbeitsteilung: Dieter erkl\u00e4rt kenntnisreich Wissenswertes \u00fcber Stuttgart und ich halte den Reiseleiterregenschirm.<\/p>\n<p>Im Anschlu\ufb02 erhalten unsere G\u00e4ste auf dem Weg zum polnischen Konsulat eine ungeplante Stuttgarter Tunnelf\u00fchrung mit dem Reisebus. Das W\u00e4hlen (es ist Pr\u00e4sidentschaftswahl in Polen) klappt erstaunlich z\u00fcgig &#8211; offensichtlich sind die Konsulatsmitarbeiter schon zu lang in Deutschland, alles so organisiert. Es gibt in Polen keine Briefwahl, und zur F\u00f6rderung der Demokratie ist uns nat\u00fcrlich kein Weg zu weit. <\/p>\n<p>Nachdem wir jetzt sogar unserm an dieser Stelle konservativem Zeitplan voraus sind, schicken wir unsern Bus tunnelfrei zur\u00fcck ins Zentrum, um  einen Abstecher zum Santiago de Chile Platz zu machen &#8211;  fast wie Fernsehturm, ein echter Tipp.<\/p>\n<p>Das Daimlermuseum kommt gut an, einigen gef\u00e4llt es wegen der Architektur, anderen wegen der Autos, wieder anderen wegen der geschichtlichen Einbindung, scheinbar f\u00fcr alle was dabei und wir haben ja schliesslich ein Versprechen einzul\u00f6sen &#8211; in Polen haben wir zum Presentation Evening &#8222;Mir im S\u00fcden&#8220; gesungen und da hei\ufb02t es ja bekanntlich das Schwabenland w\u00fcrde sich vor allem durch \u00fcberlegene Automobile hervorheben.<\/p>\n<p>Mission erf\u00fcllt und auf zum Gottesdienst, in dem der Chor zu h\u00f6ren sein soll. W\u00e4hrend die polnischen S\u00e4nger sich zur Probe in der Kirche einfinden, versucht Willi den Bus zur\u00fcck zur Universit\u00e4t zu lotsen. Keine einfach Unternehmung mit einem Doppelstockbus in Stuttgart West, wo Parken in der Stra\ufb02enecke zum guten Ton geh\u00f6rt. Dass die Busfahrer keine von Willis zahlreichen Sprachen beherrschen, vereinfacht die Sache auch nicht. <\/p>\n<p>Dass wir die Kirche zum Vespergottesdienst nicht voll kriegen w\u00fcrden war klar, aber peinlich wurde es zum Gl\u00fcck auch nicht, einige Unimusiker und andere G\u00e4ste fanden sich ein und waren dem Anschein nach \u00fcberwiegend recht angetan. Noch ein Wort zur Vesper, zwei Tage vorher wurden wir aufgekl\u00e4rt, dass man unter Vesper entgegen dem Worklang einen Gottesdienst ohne Keks (Eucharistie) versteht. Um ihren spirituellen Verpflichtungen nachzukommen, mu\ufb02ten daher die katholischeren unter den Polen sehr fr\u00fch aufstehen und bereits um 8:30 Uhr in der Innenstadt den vollst\u00e4ndigen Gottesdienst aufsuchen.<\/p>\n<p>Zum Abschluss dieses sch\u00f6nen Tages fielen wir dann in den Singsaal der St. Elisabeth Gemeinde ein, wo wir schon von unseren fleissigen K\u00fcchenhelfern, Dirk und Svenja, erwartet wurden. Mit so vielen Leuten heizt sich der kleine Saal recht gut auf, warm war es ja eh, also reissen wir schonmal die Fenster auf. Alle Fenster? Nein, denn die unerschrockenen K\u00fcchenfenster h\u00f6rten nicht auf, tapfer Widerstand zu leisten und einfach verschlossen zu sein, weshalb sich in der K\u00fcche schnell kuschelige Saunatemparaturen einstellten. An dieser Stelle nochmal Respekt unserm K\u00fcchenteam, die meisten Menschen harren nicht l\u00e4nger als 20min in der Sauna aus. Bis alle G\u00e4ste versorgt waren, m\u00fcssen es guinnesrekordverd\u00e4chtige 2-3 Stunden gewesen sein. Unsern Dank gilt auch den anderen Bewohnern des Hauses, die sich nicht blicken liessen und uns trotz ausgedehnter Ruhest\u00f6rung keine Polizei auf den Hals hetzten.<\/p>\n<p>Am Montag morgen hie\ufb02 es dann Abschied nehmen. Aber zuerst machte ich mit Otto noch eine kleine Rundreise durch die Stadt um einen Supermarkt zu finden, der so fr\u00fch (7:30 Uhr) schon \u00f6ffnet, damit wir den Bus mit ausreichend Wasser f\u00fcr die Fahrt versorgen konnten. Besorgt, dass wir nicht rechtzeitig zur\u00fcck w\u00e4ren, mu\ufb02te ich nicht sein &#8211; ich hatte den Schrankenschl\u00fcssel dabei und der Bus war auf der andern Seite der Schranke.<\/p>\n<p>Alles in allem, eine sehr gelunge Aktion. Uns hat es viel Spa\ufb02 gemacht und wir haben uns sehr gefreut, das wir dieses sch\u00f6ne Projekt auf diese Weise f\u00f6rdern konnten. Nochmals vielen herzlichen Dank allen Gastgebern und Helfern, die das m\u00f6glich gemacht haben. Wir hoffen, ihr hattet trotz der knappen Zeit gute Gespr\u00e4che mit euren polnischen G\u00e4sten und vielleicht m\u00f6chte ja der eine oder die andere sogar im n\u00e4chsten Jahr selber in Polen und Frankreich mit dabei sein.<\/p>\n<p>(c) Holger Rode, erschienen im Unisono September 2010<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Samstag Abend nach einem WM-Halbfinale. Wir sitzen an der Uni und warten. 19:00 Uhr Jetzt soll es also gleich ernst werden, alles ist vorbereitet, Gastgeber gefunden, Essen und Getr\u00e4nke stehen bereit. 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