{"id":1146,"date":"2012-07-08T19:51:01","date_gmt":"2012-07-08T19:51:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.interrapax.org\/?page_id=1146"},"modified":"2018-11-29T22:01:25","modified_gmt":"2018-11-29T22:01:25","slug":"in-terra-pax-ist-etwas-besonderes","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.interrapax.org\/de\/in-terra-pax-ist-etwas-besonderes\/","title":{"rendered":"In Terra Pax ist etwas Besonderes"},"content":{"rendered":"<p>Als ich letztes Jahr zum ersten Mal mitgekommen bin, habe ich mir gedacht: Was wird das wohl werden? Kaum Chorerfahrung (bis dahin zusammen etwa ein Jahr und das mit Unterbrechung), daf\u00fcr eine ganze Woche und das auf hohem Niveau.<\/p>\n<p>Los ging es schon am ersten Freitag direkt nach der Ankunft in Polen: Kurz nach dem Abendessen gab es schon die erste Probe von 19 bis 22 Uhr. Ja, man hat die Noten zuvor bekommen, und nat\u00fcrlich habe ich mir diese auch mit meinen Mitstreitern zuvor angesehen. Aber au\u00dfer der groben Melodie konnten wir vor Reiseantritt auch nicht viel mehr. Wo war ich da nur gelandet?<\/p>\n<p>Die ersten Tage sind, zugegebenerma\u00dfen, hart. Von morgens um 9 bis sp\u00e4t abends Proben, dazwischen einige Proben und gutes (!) Essen. F\u00fcr einen Anf\u00e4nger ist es schon etwas happig. Doch nach und nach bekommt man Sicherheit in den Liedern und man findet Gefallen. Und zwar an allem: Die Leute sind wahnsinnig nett, offen und ihre Levels sind sehr unterschiedlich, weswegen man auch keine Angst haben muss, bei den Profis unterzugehen. Einige sind Vollblutmusiker, auch Dirigenten und Soloisten, einige sind Chors\u00e4nger mit lanj\u00e4hrige und es gibt auch ein paar Laien, wie ich es war. Was alle verbindet ist die Musik und die Chance dem Alltagstrott etwas zu entfliehen, neue Freundschaften zu schlie\u00dfen. Auch die St\u00fccke, so unterschiedlich sie sind (von einem sehr modernen Marek Jasi\u0144ski, \u00fcber franz\u00f6sische zeitgen\u00f6ssische Musik, bis hin zu polnischen, spanischen, russischen Liedern und mittelalterlichen Chor\u00e4len) singt man von Mal zu Mal mit gr\u00f6\u00dferer Begeisterung.<\/p>\n<p>In Terra Pax hat, wie immer, einen festen Platz im Internationalen Chorfestival von Mi\u0119dzyzdroje, bei dem der Chor immer mit einen Ehrenauftritt au\u00dfer Konkurenz teilnimmt. Das Festival startet f\u00fcr gew\u00f6hnlich am Sonntag und man hat jeden Abend die Gelegenheit, die teilnehmenden Ch\u00f6re (kostenlos!) zu bewundern. Wer dann noch will und kann macht anschlie\u00dfend den Ort mit seinen S\u00e4ngerkammeradinnen und -Kameraden unsicher. Nicht selten wird die Tour dann im Hotel bei Gesang beendet. Bei In Terra Pax geht es, so habe ich festgestellt, neben der professionellen Chorarbeit (die Dirigenten sind allesamt renomierte Pers\u00f6nlichkeiten) nat\u00fcrlich in erster Linie um den Kulturaustausch. Aus dieser Idee heraus wurde der Chor auch schlie\u00dflich gegr\u00fcndet: Mit Musik Br\u00fccken zu schlagen und im Austausch mehr Verst\u00e4ndnis f\u00fcr den Nachbarn zu gewinnen. Das wird einerseits bei ungezwungenen Gespr\u00e4chen in den Pausen und beim Essen praktiziert, andereseits beim sehr geselligen Zusammensein am Abend. Erw\u00e4hnenswert ist hier auch der Presentation Evening, bei dem sich jedes Land mit einer kurzen Showeinlage vorstellt.<\/p>\n<p>Auf was l\u00e4sst man sich ein? Nun, in erster Linie viel Arbeit: Der Tag f\u00e4ngt um 9 Uhr morgens mit der ersten Probe an und endet je nach dem vor dem Festival um 22 Uhr, bzw. w\u00e4hrend des Festivals um 18 Uhr mit dem Abendessen. Das klingt anstrengend, ist es auch : ). Es wird sehr auf Pr\u00e4zision und Disziplin der S\u00e4nger geachtet. Auch wenn der Abend meistens sehr fr\u00f6hlich endet, wird von jedem einzelnen tags\u00fcber h\u00f6chste Konzentration und Mitarbeit gefordert. Doch in jedem Fall kommt die Freizeit nie zu kurz. So bleibt auch manchmal die Gelegenheit, ein Bad in der (kalten) Ostsee zu nehmen, die gleich \u00fcber die Stra\u00dfe am langgezogenen Sandstrand zu finden ist.<\/p>\n<p>Letztes Jahr, muss ich zugeben, waren die Stimmb\u00e4nder etwas ausgeleiert. Sieben Stunden Proben, zwei bis drei Konzerte und das alles in einer Woche fordern ihren Tribut. Doch es hat sich gelohnt: Innerhalb von sechs Tagen werden nicht nur rund zw\u00f6lf Lieder einstudiert, nein, man bringt sie so weit, dass sie vor internationalem Publikum auff\u00fchren kann. Auch wenn das Festival in Deutschland nahezu unbekannt ist, ist es in Polen eine feste Gr\u00f6\u00dfe und genie\u00dft entsprechendes Ansehen. Bei den Liedern selbst handelt es sich bei weitem nicht (nur) um einfache St\u00fcckchen, sondern zum Teil auch, wie dieses Jahr zum Beispiel, um doppelch\u00f6rige, zehnstimmige S\u00e4tze. Das muss schon etwas hei\u00dfen.<\/p>\n<p>Fazit: Auch wenn man mit gemischten Gef\u00fchlen an die Woche herantritt, f\u00e4llt der Abschied am Samstagmorgen wahnsinnig schwer. Selbst als &#8222;Anf\u00e4nger&#8220; mit einem Jahr Erfahrung und etwas Motivation ist es durchaus machbar, die Woche mit Erfolg zu \u00fcberstehen. Und auch als Profi kommt man, bei der gegebenen Liedauswahl und ab und zu mit der Aufforderung, doch selbst einmal eine Gruppe zu dirigieren oder einen Solopart zu singen, auch auf seine Kosten. Auch wenn die Zeit ziemlich kurz ist, wird man zusammengeschwei\u00dft. Und manchmal entsteht mehr als nur Kammeradschaft. Man wartet schon sehns\u00fcchtig auf das n\u00e4chste Mal und hofft dann alle wiederzusehen. Neben dem Zwischenmenschlichen lernt man auch andere Softskills, wie Aufw\u00e4rm- und Singtechniken, die einem im normalen Chorleben sehr weiterhelfen und man schnappt das eine oder andere Wort Polnisch auf.<\/p>\n<p>Nun steht meine erste Chorreise an, von der man mir berichtet hat, dass auch sie ein unvergessliches Erlebnis sein wird. Dieses Jahr geht es nach Hannover. Was uns dort wohl erwartet?<\/p>\n<p>(c) Dirk Coehne, 2012<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als ich letztes Jahr zum ersten Mal mitgekommen bin, habe ich mir gedacht: Was wird das wohl werden? Kaum Chorerfahrung (bis dahin zusammen etwa ein Jahr und das mit Unterbrechung), daf\u00fcr eine ganze Woche und das auf hohem Niveau. 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