In Terra Pax – Międzyzdroje Juni 2004

„Do, Re, Mi, Fa, Sol, La, Si, Do“ …. Willkommen zurück in der internationalen Chorwelt.
„Hi, I’m Stefanie, Berlin, Germany.“ – „And now, please introduce yourself to two persons you don’t know!”
Zwischen einer Polin, die um einiges jünger ist als ich, und einer Amerikanerin, die mehr als doppelt so alt ist wie ich, versuchte ich, mein Englisch wieder zu aktivieren, um den Anweisungen von Rick zu folgen. Kaum hatten wir ein Stück angesungen, ging es auch gleich zum nächsten. Schließlich hatten wir nur knappe sechs Tage Zeit, um ein komplettes Konzertprogramm auf die Beine zu stellen.
Herzlich Willkommen bei „In Terra Pax“!!!

Eigentlich gehöre ich ja schon seit einigen Jahren zur In Terra Pax Familie, aber dieses Jahr war mein erstes Jahr, in dem ich an allen Sessionen teilnehmen konnte. Also auch mein erstes Mal von vorne bis hinten Międzyzdroje!

Erst am Montag früh fingen wir so richtig an, an den Stücken zu arbeiten. Und zu diesem Zeitpunkt waren dann auch endlich alle da, auch unsere dritter Chef, Jean-Baptiste. In Einzelproben wurden alle Stücke auseinander genommen, um anschließend in den Gesamtproben wieder zusammengesetzt zu werden. Die Einzelproben waren für uns Altistinnen besonders lustig. Jean-Baptists Englisch war einfach zum schießen komisch, aber durch den starken französischen Akzent trotzdem „très charment“. Da fielen auch die vielen eingestreuten französischen Vokabeln gar nicht weiter auf! Ganz anders Rick. Wenn er Proben dirigierte ging es in feinstem amerikanisch und mit uramerikanischem Elan „strait on“, meist im „fff“. Das wir das „ppp“ auch gut beherrschen müssen, machte uns dann aber Werner mit dem „Janilaaul“ unweigerlich klar. Insgesamt war es sehr erfrischend, dass die drei Chefs in ihrer Art und ihrer Arbeit mit uns sehr unterschiedlich waren, denn jeder verlangte andere sängerische Fähigkeiten. Laut unserer Chefs war der Chorklang in diesem Jahr sehr gut. Das lag meiner Meinung auch an der außergewöhnlichen Mischung verschiedener Singkulturen bei In Terra Pax. Die Polen, die sehr weit vorne singen, die Franzosen, die den Klang viel weiter nach hinten schieben, die Amerikaner, die den Sound sehr hoch raussingen und wir Deutschen, die ihre Klangfarbe irgendwo dazwischen anordnen. Die Mischung macht’s!

Man hätte meinen können, die Zusammenstellung der Nationen für die beiden Abende, an denen jede Nationalität sein Land den anderen auf irgendeine Weise näher bringen sollte, wäre den derzeitigen politischen Allianzen angepasst gewesen. Zuerst waren wir Deutschen dran: Ein Jäger durch den Walde ging, sich 1,2,3 ein Bier einfing, LaLeLu! Von vorne bis hinten so gut durchgeplant (typisch deutsch eben ; -)!) und auf die Bühne gebracht, dass die nachfolgenden Franzosen beinahe gekniffen hätten! Aber dann durften wir doch noch Pavane tanzen und anschließend die kulinarische Union der beiden vorgestellten Kulturkreise genießen: Kartoffelsalat mit Würstchen und Rotwein an Fromage auf Baguette mit Bier …. Die Mischung macht’s! Angetrieben von dem deutsch-französischen Erfolg, mussten am nächsten Abend die Polen und die Amerikaner nachziehen. Und das taten sie auch!!!! Eine polnisch-amerikanische Hochzeit, auf der die Angehörigen des amerikanischen Bräutigams die polnische Braut freikaufen … nein, „ersingen“ mussten! Einfach nur große Klasse! Und am anschließenden typischen Buffet wurden dann auch die französischen und deutschen Freunde zu Hochzeitsgästen! Die Mischung macht’s!

Diese Mischung machte es dann auch, dass das Konzert am Samstagabend im Konzertsaal von Międsiesdroje, der bis zum letzten Platz besetzt war, ein voller Erfolg wurde. Klar, ein paar Patzer hier und da, aber wir konnten uns untereinander auf uns verlassen, so dass das Publikum wahrscheinlich nichts mitbekommen hat. Ein wunderbarer Höhepunkt und Abschluss einer Woche, in der vier verschieden Nationen dieselbe Sprache gesprochen haben: In Terra Pax.

Stefanie Beier, 07-X-2004, Berlin